Beitrag im Generalanzeiger-Bonn vom 18.02.2009 (Pieper)
Swisttal-Heimerzheim. Die einen sieht man durch den Wald joggen, die anderen beim Einkaufen. Das war's aber auch schon. Ansonsten treten die Auszubildenen und die Fortbildungsteilnehmer der Bundespolizei in Heimerzheim kaum in Erscheinung.
Sie verbringen den Großteil ihrer Zeit am Standort, und als Ausflugsziele sind eher Bonn, Köln und Euskirchen interessant. Das soll sich ändern. Der Gewerbeverein Swisttal und die Bundespolizei überlegen, wie die Lehrgangsteilnehmer stärker an Swisttal gebunden werden könnten.
Ein erstes Treffen zwischen Winfried Hündgen, Matthias Haus und Hermann Schlagheck vom Gewerbeverein und der Standort-Führung um Dienststellenleiter Rainer Mittmann verlief nach deren Resümee vielversprechend. Die Runde hat eine Reihe konkreter Ideen zusammengetragen und sich auf einen regelmäßigen Austausch verständigt.
Anlass des Treffens war eine Umfrage, die der Gewerbeverein vor dem Hintergrund der Dorfkernerneuerung in Heimerzheim initiiert hatte. "Uns ging es um die Bedürfnisse der Lehrgangsteilnehmer", sagte Schlagheck, und Hündgen ergänzte: "Wir möchten die Gewerbetreibenden dazu animieren, darauf einzugehen."
In Heimerzheim, wo sich der drittgrößte Bundespolizei-Standort befindet, bereiten sich derzeit 277 Auszubildende auf den mittleren Dienst vor. Sie wohnen hier in der Regel zweieinhalb Jahre lang. Hinzu kommen Teilnehmer von Fortbildungen, die zwischen zwei Tagen und mehreren Wochen bleiben. In diesem Jahr stehen mehr als 2 000 Fortbildungsplätze in Heimerzheim zur Verfügung. "Allein schon die Auszubildenden bringen eine enorme Kaufkraft mit", sagte Bundespolizei-Sprecher Harald Windolph.
209 Lehrgangsteilnehmer nahmen an der Befragung des Gewerbevereins teil. Daraus geht beispielsweise hervor, dass die Mehrheit regelmäßig in Heimerzheim einkauft. Auch gaben die Bundespolizisten Auskunft über ihr Freizeitverhalten. "Unseren Leuten ist es wichtig, dass sie ein gewisses Angebot vorfinden", sagte Personalratschef Walter Obladen.
So wünschten sich die Befragten vor allem sportliche Einrichtungen wie Bäder oder Fitnessstudios, aber auch Bowling und Cocktailbars. Auch wären die Lehrgangsteilnehmer gerne besser über die Umgebung des Standorts informiert. Bislang erhalten sie bei ihrer Ankunft Info-Material.
Dieses könnte nach dem Gespräch zwischen Bundespolizei und Gewerbeverein nun erweitert werden. Eine weitere Idee: ein Begrüßungspaket für neue Auszubildende und Fortbildungsteilnehmer. "Wer einen Gastronomie-Gutschein oder einen Schnupperkursus fürs Fitnessstudio an die Hand bekommt, der nutzt das auch", sagte Dirk Lohest von der Bundespolizei.
Inwieweit das möglich ist, will der Gewerbeverein jetzt prüfen. Im Gespräch sind zudem Führungen bei umliegenden Betrieben sowie Veranstaltungen, die - über den Tag der offenen Tür des Standorts hinaus - Bundespolizisten und Bevölkerung zusammenbringen. Der Gewerbeverein brachte bei dem Treffen zudem den Wunsch an, dass Swisttaler Betriebe über Ausschreibungen am Standort der Bundespolizei informiert werden.
Nach den Worten von Rainer Mittmann ist der Standort Heimerzheim langfristig gesichert: "Wir decken hier praktisch die ganze Aus- und Fortbildung der Rhein-Ruhr-Schiene ab", sagte er. Für die nächsten Jahre seien vor allem an den Unterkünften umfangreiche Sanierungen vorgesehen.
Die Investitionen, die dafür nötig sind, bezifferte er mit sechs bis zehn Millionen Euro.
Für die Zukunft erwartet der Standort in Heimerzheim einen demografischen Wandel. Die Zahl der Auszubildenden, die unter 30 liegt, wird nach Schätzung Mittmanns in den kommenden Jahren deutlich sinken. Dafür steige die Zahl der - in der Regel älteren - Fortbildungsteilnehmer.



